Äußerst schwach präsentieren sich die europäischen
Standardwerte. Nach dem Bruch der Tiefstkurse von Juli und August im
Bereich um 2440 Punkten startete der Index zwar am Donnerstag einen
schwachen Anlauf, diese Widerstandszone zurückzuerobern, doch dabei
blieb es dann auch. Per Saldo verschlechterte sich der EuroStoxx Kursindex
um fast 223 Punkte, gemessen am Vorwochenschluss (8,8 Prozent!).
Trotz des am Freitag nur noch moderaten Kursrückgangs lässt die Markttechnik zur Zeit nicht auf eine Tendenzwende schließen. Die 50 wichtigsten Aktien Europas gleiten am unteren Bollinger-Band abwärts und müssen zunächst einen neuen Boden finden. Eine schwache Chance dafür bietet eventuell das Intra-Day Tief vom 24.07. bei 2293 Punkten (unteres Schaubild), dem jedoch per se schon nur geringe unterstützende Wirkung zukommt (ohne Berücksichtigung der Umstands, dass der Index im Verlauf des Freitags auch schon kurzzeitig unter diesen vorläufig letzten Support der jüngeren Vergangenheit sackte). Auch die im Langfrist-Schaubild erkennbare Unterstützung aus dem 1997er Zwischentief bei ~2240 Punkten dürfte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit nur um einen Zwischenstopp auf dem Weg nach unten erweisen.
Für Aktionäre (die außerhalb des Ölsektors investiert sind) bleibt in dieser Konstellation wenig Hoffnung. Optimistischenfalls testet der EuroStoxx 50 nochmals seinen Widerstand zwischen 2420 und 2460 Punkten (Pull-Back), was dann konsequent zum Überprüfen und ggfs. Ausstieg aus bestehenden Aktienpositionen genutzt werden sollte.
Nach rasanter Talfahrt brachte der Mittwoch den
ersten zaghaften Kursgewinn. Was in vielen Kommentaren aufatmend gefeiert
wird, entpuppt sich im Schaubild als nur schwacher Trost: Der Index fiel
zwischenzeitlich auch unter das Tief des 1997er "Crashs", was
die Tür zu weiteren Kursverlusten öffnet.
Tröstlich ist immerhin der Stochastik-Oszillator, der im überverkauften Bereich drehen konnte und damit für einen freundlichen Wochenausklang spricht. Allerdings kommt diesem Indikator umso geringere Bedeutung zu, je ausgeprägter sich der EuroStoxx in einem Trend bewegt. Damit bleibt eine Spekulation auf kurzfristig steigende Kurse nur besonders unerschrockenen Anlegern vorbehalten, die nach dem Kursverlust von kumuliert 19,7 Prozent in nur 9 Handelstagen auf eine technische Aufwärtsreaktion setzen wollen. Diese könnte den Index immerhin bis in den Bereich der einstigen Unterstützung (jetzt Widerstand) bei 2420 Punkten zurückführen, wo auch die Mittellinie des Bollinger Bandes verläuft.
Etwas vorsichtigere Naturen warten
mit Neuengagements zunächst ab und können versuchen, erneut
auf Puts zu setzen, sobald der Markt wieder zur Schwäche neigt. Der
mittelfristige Trend bleibt abwärts gerichtet, bis eine tragfähige
Trendwendeformation in Sicht kommt.
Autor: Lutz Mathes / Büro Dr. Schulz