12.10.2008: Rausch der Tiefe

langfristiger Chart


Mit einem Wochenminus von 1874,19 Punkten (18,15 Prozent) stürzte der Dow in der vergangenen Woche ab. Eindrucksvoller präsentiert sich in der jüngeren Vergangenheit alleine der Crash von 1987, wo es 22,6 Prozent abwärts ging. Allerdings erholte sich der Index damals wieder, so dass dereinst nur ein Wochenminus von 13,2 Punkten blieb.

Das aktuelle Börsengeschehen kann mit seiner Intensität am ehesten als Finanz-Tsunami bezeichnet werden. Unterstützungen lassen sich nur noch aus dem Langfrist-Schaubild ableiten. Die Zählerstände von den Tiefpunkten im Oktober 1998 und Oktober 2002 sind im Chart eingezeichnet. Sollte der Bereich um 7200 Zähler nach unten gebrochen werden, ergäbe sich Abwärtsspielraum bis 4000 Zähler. Mehr lässt sich zu der Charttechnik derzeit nicht guten Gewissens sagen. Die Bewegung des Dows ist zusammen mit den Weltbörsen so außer Kontrolle geraten, dass mit Hilfe der hier angewandten klassischen Charttheorie außer dem intakten Abwärtstrend und den Unterstützungen oberhalb von 7200 Zählern nichts Handfestes konstatiert werden kann. Eine Aufwärtsreaktion ist angesichts der völlig überkauften Lage ebenfalls jederzeit denkbar.


mittelfristiger Chart

An den Börsen wird aktuell alles zu Geld gemacht, was sich überhaupt noch handeln lässt. Rund um den Globus verkürzen sich die Bilanzen, weil die Gläubiger sofort ihr Geld sehen wollen. Und wer Geld hat, vertraut es keinem mehr an. Dieses zutiefst deflationäre Szenario wird im Moment von den Notenbanken mittels der Gelddruckmaschine bekämpft. Beim Amtsantritt hatte Ben Bernanke die Welt davon in Kenntnis gesetzt, dass er zur Not in den Helikopter steigen würde, um das Geld zu verteilen. Es trifft sich gut, dass der Ölpreis sinkt, da kann das Flugzeug schon mal günstig aufgetankt werden.

7200 Punkte ist charttechnisch der Punkt, wo die Zerstörungskraft des anfangs erwähnten Finanz-Tsunamis in eine Kernschmelze übergehen würde. Wer Puts hält, sollte das Stopp-Loss auf den Bereich um 9000 Punkte nachziehen und kann dem atemberaubenden Schauspiel ansonsten zunächst entspannt zusehen. Sollte der Index weiter fallen, wäre es langsam an der Zeit, alle Zertifikate und anderen bankgedeckten Konstrukte abzustoßen. Das Emittentenrisiko steigt dann nämlich wieder erheblich an (weil die Banken dann vermutlich erneut erhebliche Abschreibungen auf Assets vornehmen müssten). Neuengagements bleiben aus Vorsichtsgründen Zockern vorbehalten.

kurzfristiger Chart

Autor: Lutz Mathes



ABN Amro Dow-Zertifikate: