Mit einem Wochenminus von 1874,19 Punkten (18,15 Prozent) stürzte
der Dow in der vergangenen Woche ab. Eindrucksvoller präsentiert
sich in der jüngeren Vergangenheit alleine der Crash von
1987, wo es 22,6 Prozent abwärts ging. Allerdings erholte
sich der Index damals wieder, so dass dereinst nur ein Wochenminus
von 13,2 Punkten blieb.
Das aktuelle
Börsengeschehen kann mit seiner Intensität am ehesten
als Finanz-Tsunami bezeichnet werden. Unterstützungen lassen
sich nur noch aus dem Langfrist-Schaubild ableiten. Die Zählerstände
von den Tiefpunkten im Oktober 1998 und Oktober 2002 sind im Chart
eingezeichnet. Sollte der Bereich um 7200 Zähler nach unten
gebrochen werden, ergäbe sich Abwärtsspielraum bis 4000
Zähler. Mehr lässt sich zu der Charttechnik derzeit
nicht guten Gewissens sagen. Die Bewegung des Dows ist zusammen
mit den Weltbörsen so außer Kontrolle geraten, dass
mit Hilfe der hier angewandten klassischen Charttheorie außer
dem intakten Abwärtstrend und den Unterstützungen oberhalb
von 7200 Zählern nichts Handfestes konstatiert werden kann.
Eine Aufwärtsreaktion ist angesichts der völlig überkauften
Lage ebenfalls jederzeit denkbar.
An
den Börsen wird aktuell alles zu Geld gemacht, was sich überhaupt
noch handeln lässt. Rund um den Globus verkürzen sich
die Bilanzen, weil die Gläubiger sofort ihr Geld sehen wollen.
Und wer Geld hat, vertraut es keinem mehr an. Dieses zutiefst
deflationäre Szenario wird im Moment von den Notenbanken
mittels der Gelddruckmaschine bekämpft. Beim Amtsantritt
hatte Ben Bernanke die Welt davon in Kenntnis gesetzt, dass er
zur Not in den Helikopter steigen würde, um das Geld zu verteilen.
Es trifft sich gut, dass der Ölpreis sinkt, da kann das Flugzeug
schon mal günstig aufgetankt werden.
7200
Punkte ist charttechnisch der Punkt, wo die Zerstörungskraft
des anfangs erwähnten Finanz-Tsunamis in eine Kernschmelze
übergehen würde. Wer Puts hält, sollte das Stopp-Loss
auf den Bereich um 9000 Punkte nachziehen und kann dem atemberaubenden
Schauspiel ansonsten zunächst entspannt zusehen. Sollte der
Index weiter fallen, wäre es langsam an der Zeit, alle Zertifikate
und anderen bankgedeckten Konstrukte abzustoßen. Das Emittentenrisiko
steigt dann nämlich wieder erheblich an (weil die Banken
dann vermutlich erneut erhebliche Abschreibungen auf Assets vornehmen
müssten). Neuengagements bleiben aus Vorsichtsgründen
Zockern vorbehalten.